Der Prüfbericht des Versicherers: Aufbau und typische Kürzungspositionen

Ein Prüfbericht ist die Antwort des Versicherers auf Ihr Gutachten: Er stellt die Positionen Ihrer Kalkulation den Beträgen gegenüber, die der Versicherer für angemessen hält, und begründet jede Abweichung mit einem kurzen Text. Wer den Aufbau kennt, findet die Kürzungen schneller – und kann im nächsten Gutachten vorbeugen, indem er das technisch Notwendige besser dokumentiert.

Dieser Artikel erklärt, wie ein Prüfbericht aufgebaut ist, welche Positionen am häufigsten gekürzt werden und was Sie im Gutachten festhalten sollten. Er ersetzt keine rechtliche Beratung: Ob eine Kürzung berechtigt ist, ist eine Rechtsfrage, die der Geschädigte und seine Anwältin oder sein Anwalt klären.

Wer Prüfberichte erstellt

Nach Eingang des Gutachtens lässt der Haftpflichtversicherer die Kalkulation prüfen – durch eigene Prüfer oder durch externe Prüfdienstleister. Diese arbeiten meist mit standardisierten Abläufen und Textbausteinen. Deshalb ähneln sich Prüfberichte über Versicherer hinweg im Aufbau, auch wenn Layout und Begriffe variieren.

Für das Sachverständigenbüro bedeutet das: Der Prüfbericht ist ein wiederkehrendes Dokument mit wiederkehrenden Mustern. Wer diese Muster kennt, wertet schneller aus.

Der Aufbau eines Prüfberichts

TeilWas dort stehtWorauf Sie achten
KopfVersicherer, Schadennummer, Prüfdienstleister, Datum, Bezug auf Ihr GutachtenStimmt der Bezug? Wurde die aktuelle Fassung Ihres Gutachtens geprüft?
ZusammenfassungSumme laut Gutachten, Summe nach Prüfung, Differenz – oft nettoNetto oder brutto? Sind Nebenkosten enthalten?
PositionslisteErsatzteile, Arbeitslohn, Lackierung, Nebenkosten mit Ihrem und dem geprüften BetragWelche Positionen fehlen ganz, welche sind nur gekürzt?
Begründungenkurze Texte je Abweichung, oft TextbausteineBezieht sich die Begründung auf Ihren Fall oder ist sie allgemein?
Hinweisezum Beispiel eine Referenzwerkstatt mit anderen Stundensätzen oder ein RestwertangebotName, Ort und Erreichbarkeit der genannten Werkstatt oder des Angebots

Nicht jeder Prüfbericht enthält alle Teile. Manche Versicherer schicken nur ein Kürzungsschreiben mit einer Liste, andere mehrseitige Berichte mit Kalkulationsauszug.

Die häufigsten Kürzungspositionen

Die folgende Übersicht beschreibt, was in Prüfberichten typischerweise gekürzt wird und was Sie im Gutachten technisch festhalten sollten. Sie sagt nichts darüber, ob die jeweilige Kürzung im Einzelfall berechtigt ist.

PositionWas gekürzt wirdWas Sie im Gutachten dokumentieren
VerbringungskostenKosten für den Transport des Fahrzeugs zur Lackiererei werden gestrichenob die zugrunde gelegte Werkstatt eine eigene Lackiererei hat und wie die Verbringung abläuft
UPE-AufschlägeAufschläge auf die unverbindliche Preisempfehlung der Ersatzteile entfallenwelche Werkstatt der Kalkulation zugrunde liegt und welche Aufschläge dort berechnet werden
StundenverrechnungssätzeSätze werden auf die einer Referenzwerkstatt reduziertWerkstatt, Ort und Grundlage der verwendeten Stundensätze; Alter, Laufleistung und Wartungshistorie des Fahrzeugs
BeilackierungLackierung angrenzender Teile wird nicht anerkanntFarbton, Lackart, Fotos der angrenzenden Teile, gegebenenfalls Vorgaben des Lackherstellers
Kleinersatzteile und ErgänzungenPauschalen oder Kleinteile werden gestrichenwelche Teile konkret anfallen, statt einer Pauschale
Nebenarbeitenzum Beispiel Achsvermessung, Probefahrt, Reinigung, Kalibrierung von Assistenzsystemenwarum die Arbeit bei diesem Schaden technisch erforderlich ist, mit Bezug auf Herstellervorgaben
LackmaterialMaterialkosten werden nach anderem Verfahren oder pauschal angesetztdas in der Kalkulation verwendete Verfahren
Wertminderungdie merkantile Wertminderung wird reduziert oder gestrichenMethode der Berechnung, Alter, Laufleistung, Vorschäden, Art und Umfang der Reparatur
Restwerthöheres Restwertangebot aus einer BörseDatum und Quelle Ihrer Restwertermittlung, Zahl der Angebote, regionaler Bezug

Die Kalibrierung von Assistenzsystemen ist in den letzten Jahren häufiger geworden, weil Kameras und Radarsensoren in immer mehr Fahrzeugen verbaut sind. Hier hilft es besonders, die Herstellervorgabe für den konkreten Schaden zu nennen.

Einen Prüfbericht in fünf Schritten auswerten

  1. Bezug prüfen. Stimmen Schadennummer, Kennzeichen und Gutachtendatum? Wurde ein Nachtrag berücksichtigt?
  2. Summen abgleichen. Netto mit netto vergleichen und die Gesamtdifferenz notieren.
  3. Positionen zuordnen. Jede gekürzte Position des Prüfberichts der passenden Zeile Ihrer Kalkulation zuordnen. Die Bezeichnungen sind selten wortgleich.
  4. Begründungen sortieren. Allgemeine Textbausteine von fallbezogenen Begründungen trennen.
  5. Ergebnis festhalten. Eine Liste mit Position, Betrag laut Gutachten, Betrag laut Prüfbericht, Differenz und Begründung – als Grundlage für Ihre Stellungnahme und für die Akte.

Schritt 3 kostet am meisten Zeit: zwei PDFs nebeneinander, Zeile für Zeile. Genau diesen Abgleich übernimmt unser Produkt Kürzungsradar. Es zeigt jede gekürzte Position mit Betrag; die fachliche und rechtliche Bewertung bleibt bei Ihnen.

Abgleich von Kalkulation und Prüfbericht mit Beispieldaten: je Position Betrag laut Kalkulation, Betrag laut Prüfbericht, Differenz und Status, unten die Summe von vier Kürzungen
Abgleich in Kürzungsradar mit Beispieldaten

Vorbeugen: Was ein gutes Gutachten dem Prüfer voraus hat

Viele Kürzungen betreffen Positionen, deren Notwendigkeit im Gutachten nicht begründet ist. Drei Gewohnheiten helfen:

  • Begründen statt nur kalkulieren. Ein Satz zur technischen Notwendigkeit bei Beilackierung, Kalibrierung oder Verbringung.
  • Fotos gezielt aufnehmen. Angrenzende Teile, Farbtonvergleich, verbaute Sensoren.
  • Grundlagen nennen. Welche Werkstatt, welche Stundensätze, welches Lackverfahren, welche Restwertquelle zu welchem Datum.

Das macht das Gutachten nicht länger, sondern belastbarer – und spart später Zeit bei Stellungnahmen.

Was dieser Artikel bewusst nicht behandelt

Ob eine Kürzung zulässig ist, hängt vom Einzelfall und von der Rechtsprechung ab. Diese Bewertung gehört nicht in einen allgemeinen Artikel und ist Sache der Anwältin oder des Anwalts des Geschädigten. Wir beschreiben hier nur, was in Prüfberichten steht und wie Sie Ihre fachliche Arbeit dokumentieren.

Häufige Fragen

Muss ich auf jeden Prüfbericht antworten?

Das entscheiden Sie mit Ihrem Auftraggeber beziehungsweise der Kanzlei. Eine fachliche Stellungnahme ist dann sinnvoll, wenn die Kürzung technische Fragen betrifft, die Sie als Sachverständiger beantworten können.

Warum unterscheiden sich die Bezeichnungen im Prüfbericht von meiner Kalkulation?

Prüfberichte fassen Positionen oft zusammen oder verwenden eigene Bezeichnungen. Deshalb lohnt es sich, beim Abgleich über Beträge und Teilenummern zu gehen statt über den Wortlaut.

Wie lange dauert die Auswertung?

Das hängt vom Umfang ab. Belastbare Werte nennen wir hier, sobald wir sie mit Pilotbüros gemessen haben.

Luke Gollenstede · Gollenstede Digital

Verantwortet IT, Web und Automatisierung in einem Kfz-Sachverständigenbüro und schreibt hier über Software, Abläufe und Prüfberichte aus der Praxis.

Digitalisierungs-Check für Ihr Büro ansehen ›